Wer ist das? | LUX & Konsorten

Wer ist das?

Das sind lokale Unternehmungen für günstigen Gewerberaum in Altona. Vom Motorradschrauber bis zur Tischlerin, vom Bildungsträger bis zur Bürogemeinschaft haben wir Bedarf an kommunalen und spekulationsfreien Gewerberäumen, die Gestaltung und Mitbestimmung in der Stadt erst ermöglichen.

 

Was einige der Konsorten so sagen:

Du arbeitest bzw. unterstützt im Moment das Projekt Günstige Gewerberäume selbst gemacht. Was bedeutet für Dich LUX & Konsorten und welchen Anteil zeichnest Du dabei?

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Also mein Anteil ist schlicht und einfach, dass ich Interesse daran habe, mit anderen Leuten eine Produktionsgemeinschaft oder Produktionsassoziation zu gründen.

Der LUX, nun machen wir es altmodisch, dann würde ich sagen es geht darum, ein Gebäude zu nehmen, das mir und Anderen sehr gefällt, und auch wenn wir ein bisschen spät dran sind, weil ein Investor dort inzwischen die Hand drauf gelegt hat, liegt es mir daran, Licht auf die unsichtbaren Hände des Marktes zu werfen und entweder dieses Gebäude doch zu bekommen oder mindestens soviel Kapital anzuhäufen, dass man Verhandlungen oder Deals über andere Flächen und Lagen treffen kann.

Die Konsorten sind zwar an sich etwas abschätzig, das kommt ja eher so aus dem Ganoven-Slang, ich persönlich würde deswegen eher immer das Wort Business Punk Citizen vorziehen, weil es schlicht und einfach darum geht. Business und Punk gibt es in dieser Stadt definitiv mehr als genug, und was es viel zu wenig gibt sind Citizens, die  sich ihre Rechte aneignen und dafür sorgen, dass der Business Punk so wie existiert aufhört und andere Formen von Geschäftsmodellen Mode werden.

Du bist kommunistischer Buchhalter, wie gesellst du Dich zu dem Projekt LUX & Konsorten oder Business Punk Citizens?

Das ist recht einfach, also kommunistischer Buchhalter bedeutet, dass mir gesellschaftliches Soll und Haben ziemlich am Herzen liegt, und da finde ich, gibt es einige Soll-Stellungen, die definitiv mal auf der Haben-Seite verbucht werden müssen, und dazu gehört unter Anderem, wie ich eben schon gesagt habe, dass kleine Firmen, lokale Ökonomien weitaus mehr zu ihren Rechten kommen müssen, und sozusagen nicht nur als Steuerbürger, Steuerzahler gemolken werden, sondern ganz klar als Citizens auch wahrgenommen werden und d.h. nicht einfach nur ein Luxus, ein Auge, ein Licht darauf geworfen wird, sondern dass es schlicht und einfach darum geht, ins Recht gesetzt zu werden.

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Ahh LUX & Konsorten! LUX & Konsorten heißt auf jeden Fall noch größer werden als die Bürogemeinschaft, die ich im Moment habe, weil ich sehr den Austausch schätze. Auch mit verschiedenen kleinen Gewerben, Projekten, Initiativen, Leuten die forschen, lernen zusammen zu arbeiten, um Projekte über meinen eigenen Bereich hinaus zu entwickeln.

Und ganz konkret für unseren Bildungsträger, wollen wir da rein, denn wir können uns die hohen Mieten nicht leisten, weil wir oft Projekte machen, die in keine Töpfe passen, also wo wir in Bildungsdiskurse intervenieren wollen, oder gesellschaftliche Projekte in Gang schieben wollen und immer wieder feststellen, wir können uns in Fördertöpfe reinschreiben, aber dann entspricht es nicht mehr dem was wir machen wollen. Deswegen brauchen wir Räume, die nicht so teuer sind. Wir brauchen einfach günstige Räume um unsere Ideen zu verwirklichen.

Und was heißt für Dich L.U.X?

Ja, LUX sind die lokalen Unternehmungen mal X, also einfach der Mehrwert. Das X steht für mich für den Überschuss, oder für das was darüber hinaus passiert, jenseits von unserer Existenz.

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Ja, auf jeden Fall lokale Unternehmung. X bedeutet, ich bin eine lokale Unternehmung, denn ich habe ein lokales Unternehmen und das ist definitiv von der Verdrängung bedroht, und ich bin der Meinung, dass solche lokale Unternehmer einfach extrem wichtig sind für eine Stadtstruktur und eben auch für die Menschen die dort leben und dass wir nicht nur Shop-Kette brauchen und noch ein Budnikowski und noch ein H&M usw.

Und deswegen engagiere ich mich dafür, dass auch kleine Betriebe ihre Existenzberechtigung in der Stadt behalten, und entsprechend, dass die Politik da eben auch ein Auge drauf hat, dass nicht nur dem Großkapital wieder aller Weg freigeräumt wird, um die Trasse zu ebnen für Großprojekte von denen letzten Endes der Bürger, so wie du und ich, sag ich jetzt einfach mal, keinen Benefit hat.

Du hast eine besondere Rolle, du hast eine Motorrad-Werkstatt, wie stellt du dir das vor in diesem Gewerbehof?

Ja, das ist ganz hervorragend dort, es sind ganz hervorragende Räumlichkeiten die man dafür nutzen kann, relativ abgeschottet von Wohnräumen, wo jetzt Lärmbelästigung ein Problem darstellen würde, und … wie gesagt ich könnte mir ganz hervorragend schon dreihundert Quadratmeter ausgucken, die ich da bespielen kann plus Stellfläche usw.

Und dann hat eben das Ganze auch in Kombination mit den anderen Gleichgesinnten, die sich da auch niederlassen, wo man da halt mit vielen Leuten zusammen was machen kann – denn gemeinsam ist man bekanntlich stark.

Ich zeichne die Aktien meiner Freunde, und für mich bedeutet das buchstäblich, das was damit gemeint ist, nämlich, dass die Situation inzwischen so krass im städtischen Raum ist, dass man überhaupt besetzen muss, um in der Nähe von Verhandlungen zu kommen, um billigen Lebens- und Gewerberaum in dieser Stadt und im Stadtzentrum gewinnen zu können.

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Du bist im Moment befristet angestellt in einem Projekt in der Uni, in welcher Verbindung stehst du zu dem Projekt?

Ich bin mental und praktisch bei Aktionen dabei, ich solidarisiere mich mit dem Projekt und ich stelle die Ressourcen, die ich in meiner universitären Öffentlichkeit habe, dem Projekt zur Verfügung.

LUX & Konsorten in Hamburg-Altona bedeutet für mich mit vielen, verschiedenen Leuten ein gemeinsames Areal zu haben, eine gemeinsame Räumlichkeit zu haben, wo unterschiedlich produziert und gearbeitet wird, mit einer ganz starken Note auch gemeinsame Sozial-Kultur-Politräume zu haben. Soziale Räume heißen jetzt keine Toiletten, sondern Räume zu haben, die quasi auch fürs Arbeiten erschwinglich sind, die bezahlbar sind, so dass Einem möglichst viel Zeit bleibt für andere Dinge in den Orten die man hat zu tun. Da solche Orte und Räume für mich auch, auch wenn es Büro- und Werkstatträume sind, immer auch Labor- und Atelierräume sind, können die eigentlich gar nicht groß genug sein, und sollen natürlich auch außerhalb der Logik von Spekulation sein, weil dann würde ich dafür ja nur noch arbeiten und kann dort gar nix Anderes mehr machen außer Geld zu verdienen.

Des Weiteren, finde ich es gut und richtig, gerade auch im Hamburger Stadtgebiet auch so eine Art Flagge oder Fanal zu setzen für günstige Mieten, für günstige Wohnräume, für günstigen Boden, weil es ist ja sowieso so, dass in den ganzen Städten dieses frappierende Spekulationsgewerbe mit Boden ist und da kann man, würde ich sagen, gar nicht genügend Flagge in die Erde rammen, wo das nicht mehr stattfinden kann.

Deswegen sind jegliche Initiativen, die sich um günstige Miet- oder Eigentumsorte bemühen, immer unterstützenswert, weil quasi mit der Verteuerung auch immer sowieso ein anderer, wie auch immer gearteter Bevölkerungsaustausch stattfindet. Aber Stadtraum muss billig sein und für Alle! Und für Alle heißt unter anderem auch bezahlbar, weil das ein Gradmesser ist für Leute die das benutzen können oder nicht, das ist immer die Erschwinglichkeit.

Punkt drei :)   … das eigene Interesse und das gesellschaftliche Interesse …

Mit LUX & Konsorten verbinde ich einen Zusammenschluss lokaler Unternehmungen, und kleiner Unternehmen, so wie wir auch eins sind, also wir sind ich und zwei Frauen, die sich zusammengetan haben in einem kleinen Bildungsträger, der in Bereichen arbeitet, wo es sehr viel um gesellschaftliche Diskussionen geht, ob das jetzt die Frage von Mobilität ist oder die Frage von Europa, der europäischen Staatsbürgerschaft, oder ganz viel etwas mit Migration und Einwanderungsgesellschaft zu tun hat und die Frage von Mehrsprachigkeit.

Auf jeden Fall unsere Zielgruppe sind Leute, die in der Regeln nicht so viel bezahlen können für ihre Weiterbildung oder für die Art von Bildung, die wir anbieten. Und grundsätzlich gehören wir auch zu denen, die eigentlich finden, dass Bildung keine Ware ist, die man total teuer verkauft. Das heißt zusammen mit der aktuellen Politik in Hamburg, die immer weiter kürzt, so kleine Unternehmen wie uns nicht fördert und eigentlich für diesen Bereich sowieso kein Geld da ist, dass in dieser Perspektive es noch einmal notwendiger ist, zumindest günstige Räume zu haben. Wir hängen an dem was wir machen, wir machen es gerne, wir arbeiten gerne mit den Leuten mit denen wir arbeiten, und wollen aber und können auch nicht die Miete zahlen.

Na ja, und das Interessante ist, wir sind ja auch schon jetzt vernetzt, in unserer Büroetage, und ehrlich gesagt, die Erfahrungen damit sind super und das kann eigentlich nicht groß genug sein.

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LUX & Konsorten bedeutet für mich einen Zusammenschluss von Gleichgesinnten, die ebenfalls diese Idee vertreten, dass es günstigen Gewerberaum in Hamburg geben muss. Und Einige von diesen sind selber interessiert daran, einen Gewerberaum zu beziehen, die es sich auch leisten können, und Andere finden auch einfach die Idee gut eines gemischten Viertels, das nicht nur aus Wohngebiet besteht, sondern eben auch aus kleinen Gewerbetreibenden.

Ja, was ist mein Dings dabei, war noch die Frage, ich finde halt beides wichtig, ich hätte auch gerne  einen Raum, um z.B. ein Tanzstudio anbieten zu können, oder mal sehen was vielleicht noch wird, eine Freundin und ich wollen vielleicht auch Tischdecken entwerfen und gucken. Und ja, wie gesagt, mir ist es auch sehr wichtig, dass es eben nicht diese absolute Einteilung gibt von hier Einkaufsstraße dort Wohngebiet und die Leute, die dann irgendwie wohnen, wirklich nur aus ihren Häusern raus kommen, um zur Arbeit zu fahren und dann wieder in ihre Häuser reingehen, wenn sie nach Hause kommen, das ist wie eine Horrorvorstellung. Es ist viel schöner, wenn in so einem Viertel eine Bewegung herrscht von Menschen, die da die Fahrradwerkstatt aufsuchen oder dort in irgend einem Geschäft eine Frage haben. Ja, diese Art von Bewegung wünsche ich mir in einem Viertel.

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LUX & Konsorten bedeutet für mich leidenschaftliche Unternehmungen X, denn ich stimme mit dem französischen Soziologen Tarde überein, der schon 1902 sagte, dass die Ökonomen in ihrer Konzeption des homo oeconomicus, eine missbräuchliche Abstraktion vorgenommen haben, in dem sie den Menschen ohne irgendetwas Menschlichem im Herzen kreiert haben, als sei das Individuum losgelöst von jeder Gruppe, Assoziation oder Körperschaft und als würden sich Konsument und Produzent bzw. Käufer und Verkäufer gegenüberstehen ohne durch eine „sentimentale Beziehung“ miteinander verbunden zu sein, wie die einer Nachbarschaft, Mitbürgerschaft, Freundschaft oder einer religiösen oder kulturellen Gemeinschaft.

Meine Anteilnahme im Projekt? Im Moment, eine unterstützende, als befristet angestellte Lehrende in der Uni. Doch wer weiß, ob ich nach zwei Jahren nicht erneut als Freischaffende meine Existenz bestreiten werde.
Meine Vision eines kommunalen Gewerberaumes? Viele Denker_innenzellen X, einen sozialen Lernraum für nicht Eliten schaffen. Ich sehe sie schon vor mir: „Das ist unsere Universität, Digger!“ Die idealtypischen Studierenden: Groß und Klein, von der Bewohnerin nebenan oder der intellektuellen Prostituierten, über den sozial engagierten Zuhälter bis hin zu den Jugendlichen, deren Lehrer meinen, ihnen fehle es an geistiger Substanz. Alle Interessierten, die Lust auf den Austausch mit Andersartigen haben und in kooperativen Arrangements, das lernen möchten was sie brauchen.

Meine Rolle als empirische Sozialwissenschaftlerin? Mit ihnen durch die Stadt flanieren, Instrumente des Forschens zu Verfügung stellen, das herrschende Wissen, das ich abschöpfe, ihnen weitergeben. Und wieso? Weil ich in den Orten, in denen ich tätig bin, ich immer wieder in Situationen stehe, in dem z.B. Studierende sich genötigt fühlen mir mitzuteilen, dass es „lest“ diesen Text und nicht „liest“ heißt, oder Kollegen sich entscheiden, mich bei Zusammenkünften zu über_sehen, weil sie wohl meinen langen ungewohnten Namen nicht parat haben und weil die sozialen Herkunftsspuren, einer Mutter, die mit 18 in der Fabrik anfing zu arbeiten, mit 35 selbstständig wurde, um ihr eigener Chef zu sein und mit 50 sich als Putzkraft im Krankenhaus eine Anstellung verschaffte, in die eigene Verkörperung eingraviert sind.  Leidenschaftliche Unternehmungen in situ, eben ;)